The Turnaround – Axel Butterweck tourte mit der 1400GTR durch Europa
Ein Jahr Planung lag am 1.6. hinter mir. Das Wetter lausig; die Temperaturanzeige auf meiner 1400GTR bei 13.1°. Egal, Tourenfahrer kann das nicht erschrecken. Nachdem mein Kawasaki Händler noch schnell die Lampen einstellte, fuhr ich los. Erst in acht Wochen sollte ich die Schweizergrenze wieder queren. Ein komisches Gefühl. Lesen Sie hier den spannenden Reisebericht.
Am Arlberg vor mir wurde das Wetter bereits besser. Am ersten Abend klappte der erste Zeltaufbau besser als befürchtet. In den folgenden Wochen habe ich es geschafft, dies von fast eineinhalb Stunden auf unter 30 Minuten zu reduzieren. Ich genoss die Tage in Österreich. Die Grenzüberschreitung nach Ungarn hatte ich mir anders vorgestellt. Wo waren die Zöllner? Letztmals, vor 28 Jahren, gab es noch eine richtige Grenze. Ungarn ist zum Motorradfahren nicht speziell; die Strassen sind zwar gut, aber Kurven gibt es erst an der Grenze zu Rumänien wieder. Hier gab es dann eine „richtige“ Grenze und sogar Geld wechseln war angesagt. Am Sonntag auch nicht gerade einfach, von wegen 24 Stundenservice. Rumänien hat zwei Schönheiten: die Karpaten und das Donaudelta.Weiter ging‘s über Bulgarien in die Türkei, wo der Grenzübertritt mit drei Stempeln und dreimal hin und her 50 Min. dauerte. Nach fast 10 Tagen Ruhe und Natur kam ich nach Istanbul. Wow, was für ein Gewühl und diese Autos! Die Fahrt über den Bosporus und ein Ausflug zur blauen Moschee waren obligatorisch. Mit Griechenland hatte ich bereits meinen östlichsten Reisepunkt erreicht. Die Meteora-Klöster begrüssten mich bei Regen, aber da es über 20 Grad warm war, war das unproblematisch; nach 50° Hitze in der Türkei gar eine willkommene Abkühlung. Auf nach Albanien; raue Natur mit schlechten Strassen, ähnlich wie Rumänien ein Eldorado für Off-roader. Nur konnte man sich mit den Leuten ganz schlecht verständigen; gestikulieren und Zeichensprache halfen.
Der Süden Italiens zeigte sich von der hektischen Seite: verstopfte Strassen, Umweltverschmutzung und wenig übrig gebliebene Natur. Nach vier Tagen hatte ich die gesamte Ostküste, die Toskana und die Grenze zu Frankreich hinter mir gelassen. Südfrankreich bei strahlendstem Wetter; nur bei St.Tropez wollte der Mistral mein Minizelt testen. Es blieb zwar stehen, wenn auch mit verbogenem Alu-Gestänge. Spanien wartete mit klangvollen, anmutigen Städten wie Barcelona und natürlich Sevilla. Nur schade, hat die Küste unter dem Baugigantismus so gelitten. Der Miniaturstadt Gibraltar folgt die kurvenreiche Algarve. Mittlerweile, nach dem erste Service, waren meine 1400GTR und ich ein richtiges Team geworden. Eine einzige brenzlige Situation gab es zu gewärtigen; der heilige Jakob, den ich am Vortag in Santiago de Compostela besucht hatte, hat aber seine schützende Hand über mich gehalten. Die Kordilleren hatte ich mir nicht so hoch vorgestellt. Gute Strassen, warmes Wetter und traumhafte Kurven brachten ein besonderes Erlebnis. Frankreich mit den schönen Gegenden Bordeaux, Bretagne und natürlich der Normandie waren wieder gänzlich andere Erlebnisse. Über einen „Wäschestopp“ bei Mutter ging es weiter Richtung Lübeck. Dänemark und Schweden waren in zwei Tagen geschafft und dann kam Norwegen. Ein Land, das gar nicht mehr aufhören will; von Oslo zum Nordkap über 2000 Km. Es wurde zwar immer kälter, 10 Tage nie über 10°, aber bloss wenige Stunden Regen; das absolute Highlight der Tour. Sogar am Nordkap hatte ich Sicht, ein seltenes Phänomen. Der nördlichste Punkt meiner Reise war erreicht und trotz beginnender Probleme mit der Vorderradbremse traten wir die Rückreise durch Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien an. Am 22.7.11 war der Traum dann leider zu Ende. Es war ein schöner Traum. Und ich gedenke nächstes Jahr weiterzuträumen; zusammen mit meiner 1400GTR…
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