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KAWASAKI-NEWSLETTER

7 April 2015 Kawasaki Ninja H2 und Ninja H2R Designer Interview

Wir hatten die Ehre mit den Designer der Ninja H2 / Ninja H2R, Keishi Fukumoto und Masashi Yamada, ein Interview zu führen und konnten so einen kleinen Einblick in den Designprozess der beiden Modelle gewinnen.
Keishi Fukumoto kann auf 26 Jahre Design-Erfahrung und verschiedene Stufen bei Kawasaki Heavy Industries (KHI) zurück blicken und hat das Kawasaki Design massgeblich beeinflusst. Mit seinem Interesse für Produktdesign und organische Formen war Fukumoto die logische Wahl, um das dramatische Designprojekt Ninja H2 / H2R zu leiten.

Masashi Yamada arbeitete sich die Karriereleiter bei Kawasaki nach oben und ist für den kompromisslosen, funktionalen Look der beiden Bikes verantwortlich. Als Absolvent des Nihon University College of Art arbeitete Yamada bereits an Ikonen wie der ZZR1400. Dies war eine gute Erfahrung, aber nichts konnte den Linkshänder (wie auch Fukumoto) auf das vorbereiten, was als ein Highlight in seine Karriere eingehen würde.

Beginnen wir mit Ihnen Yamada-san. Die Ninja H2 / H2R haben eine starke, visuelle Wirkung. Woher nahmen Sie die Inspiration dazu?

Ich war auf der Suche nach purer Kraft und beobachtete Naturphänomene wie auch von Menschen geschaffene Objekte. Ich untersuchte die herbe Schönheit aktueller Supersportautos in Verbindung mit roher Kraft von Elementen wie Vulkanen. Natürlich gibt es keine direkte Korrelation, man sieht keine Formen oder stilistischen Einflüsse. Es ging mehr darum, welche Gefühle diese Objekte in mir auslösten und meine Gedankengänge beeinflussten.

Sie sind noch jung und werden sich mit Ihren 29 Jahren wohl kaum an die ursprüngliche Mach IV H2 erinnern. Gibt es etwas, was wir in den neuen Maschinen als Reminiszenz an die Alten sehen können?

Ehrlich gesagt, nein. Das Hauptthema damals war Geschwindigkeit. Zurück in 1972 die H2… oder 750SS war der “King of Speed” und für eine Weile das Motorrad mit der besten Beschleunigung der Welt. Dies half Kawasaki eine Reputation für extreme Leistung aufzubauen, welche bis heute Gültigkeit hat.

Einige sind der Meinung, dass die beiden Auslässe des Endschalldämpfers der Ninja H2 denen der ursprünglichen H2 ähneln. Das kann sein, aber es ist ein Zufall und keine Absicht meinerseits dahinter. Vielleicht sprechen wir später darüber, aber bei diesem Motorrad ging es primär um reine Funktionalität und weniger um Styling-Genuss.

Sprechen wir über das funktionale Design und “Intense Force” Prozess. Was ist das?

Mein Rolle in diesem Projekt ist möglicherweise der beste Weg, dies zu erklären. Ich hatte eine zentrale Absicht: die Bedürfnisse der Ingenieure standen an erster Stelle und durften nicht durch den Gestaltungsprozess beeinträchtigt werden.

Die Ingenieure übernahmen die Führung im Ninja H2 / H2R Projekt. Sie entschieden, dass die Motorräder einen Gitterrohrrahmen benötigen um die entstehende Hitze abzuleiten, wie der Fahrer sitzen soll und welche Fahrwerkskomponenten, Bremsen und Felgengrössen wir übernehmen müssen.

Mein Job war es, diese nicht veränderbaren Eckpunkte in ein Gesamtdesign einzufügen, welches die “Intense Force” Philosophie verstärkt und auf weiche Kurven, unnötige Verkleidungen und Designelemente verzichtet.

Im ersten Moment klingt dies wie eine Zwangsjacke. Doch diese Vorgaben waren eine Erleichterung für mich. Es half mir, mich auf eine reduzierte Linie zu konzentrieren, welche diese imposanten und direkten Formen so unverkennbar macht und dies nach so kurzer Zeit.

Kommen wir zu Ihnen, Herr Fukumoto. Sie sind Gesamtverantwortlicher für das Design bei Kawasaki. Welche Massnahmen haben Sie getroffen, um während der Entwicklung diese sensationellen Motorräder geheim zu halten?

Da gab es keine speziellen Richtlinien. Die Kommunikation unter den Abteilungen war gleich wie bei allen anderen Modellen. Jedem war jedoch klar, dass wir an zwei ganz besonderen Maschinen arbeiten und dies führte zu einer natürlichen Diskretion, auf die wir vertrauen konnten.
Ganz offensichtlich hat dies gut funktioniert und die Neuigkeit konnte bis kurz vor der INTERMOT geheim gehalten werden. Als die Ninja H2R dann enthüllt wurde, weckte das Gefühl wie Überraschung, Schock und Ehrfurcht. Dies machte uns alle bei KHI verständlicherweise sehr stolz.

Je länger man diese beiden Motorräder anschaut, umso klarer wird es, dass KHI viel Zeit in diese investiert hat. Auf den ersten Blick besonders interessant ist natürlich die Lackierung. Können Sie uns mehr dazu sagen?

Ich will verständlicherweise nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber ich kann sagen, dass es Wochen, wenn nicht sogar Monate gedauert hat, diesen Lackierungsprozess zu perfektionieren. Als erstes wird eine Grundierung aufgetragen, gefolgt von einer weiteren Schicht, welche mit der ersten reagiert und eine äusserst dünne aber hochglänzende Silberschicht ergibt. Danach folgen weitere Schichten und Klarlack. Dies zu perfektionieren und in höchster Qualität zu produzieren, war nicht einfach und brauchte Entwicklungszeit.

Die Technologiesparte stand von Anfang an hinter diesem Prozess, doch wie sich vorstellen können, war es in der Produktion eine grosse Herausforderung. Am Ende gelang es, den Prozess zu optimieren und es zeigt exemplarisch die Handwerkskunst, welche bei jeder Ninja H2 / H2R zum Einsatz kommt.

Kommen wir zurück zu Ihnen Yamada-san. Waren Sie über die Reaktionen zu den beiden Motorrädern überrascht?

Ich habe positive Reaktionen erwartet – jedenfalls habe ich davon geträumt. Was ich nicht erwartet hatte, war das enorme Interesse. Als ich an der EICMA war, war dies sehr eindrücklich. Manchmal ist man ein wenig isoliert und so im Designprozess vertieft, dass es einem fast auffrisst. An der EICMA zu sein und die Reaktionen der Leute zu erleben, war ein sehr spezielles Gefühl und ich bin glücklich, dies erlebt zu haben. Der Kreativprozess war sehr herausfordernd und dauerte über zwei Jahre und wenn ich jetzt die Reaktionen sehe, war es diese lange Zeit Wert.

Wir wissen, dass Sie uns nichts zu den nächsten Modellen in der Pipeline sagen dürfen. Aber was würden Sie entwerfen, wenn Sie wieder bei Null anfangen könnten?

Ich bin mir nicht ganz sicher, was es sein würde. Was ich sagen kann, ist sicher, dass es etwas sein würde, das weit über die Ninja H2 / H2R hinausgeht. Etwas, das Komfort und Bequemlichkeit für die reine Leistungsfähigkeit opfern würde. Der einzige Weg, dies zu beschreiben, wäre ein Kampfjet für die Strasse. Das wäre mein Traumbike.

Können Sie Ihre Passion für Design an- und abschalten?

Nein, nicht wirklich. Ich denke immer über neue Designideen nach und über neue Wege diese umzusetzen. Auch zu Hause skizziere ich Ideen, um sicher zu sein, diese nicht zu vergessen. Ich finde Freihandzeichnen nach wie vor einfach und schnell, selbst in der Zeit von CAD.

Wie ist das bei Ihnen Fukumoto-san, haben auch Sie noch den Drang von Zeit zu Zeit sich hinzusetzen und eine Idee zu skizzieren?

Meine Arbeit hat sich stark verändert, seit mir mehr Verantwortung gegeben wurde. Natürlich drücke ich mich nach wie vor mit Designs und Entwürfen aus. Aber in meiner aktuellen Funktion muss ich mehr das kreative Schaffen anderer koordinieren. Ich bin die Person, welche die Ideen des Designteams zusammenbringt und sicherstellt, dass wir die gesteckten Ziele erreichen und ein Design liefern, das sowohl innovativ wie auch effizient produzierbar ist.

Ich durfte viele Kawasaki Motorräder gestalten, kann die Passion des Designteams verstehen und deren Gedanken vertreten, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen.

Es ist mir ein grosses Anliegen, sicherzustellen, dass die nächste Generation von Kawasaki Designern den gleichen Erfolg geniessen darf wie ich und, dass unsere einmalige Designphilosophie gewahrt bleibt. Wenn ich die Ninja H2 und Ninja H2R betrachte, würde ich sagen, dass Kawasaki und unserem Designteam eine vielversprechende Zukunft bevorsteht.

Vielen Dank Fukumoto-san, vielen Dank Yamada-san

Betroffene Modelle:

Ninja H2 2015
2015
Ninja H2
Modell Details
Ninja H2R 2015
2015
Ninja H2R
Modell Details